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„Geschichte entscheidet sich im Alltag“

Workshop am beruflichen Gymnasium zur Geschichte der Juden in der Region 

Einen Geschichtsunterricht der besonderen Art konnten Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe des beruflichen Gymnasiums der Richard-Müller-Schule erleben. „Es war gut, dass man mal - weg von der großen Geschichte - einen lebendigen Einblick in die regionalen Verhältnisse bekam,“ so eine Schülerin am Ende des Workshops, der sich mit dem jahrhundertelangen jüdischen Leben in Fulda und der Rhön beschäftigte. Schülerinnen und Schülern die Bedeutung des Judentums in der Fuldaer Region näherzubringen war Ziel des Workshops von Dr. Michael Imhof und Joachim Schulz in der Richard-Müller-Schule. Beide haben die Ausstellungen „400 Jahre Juden in der Rhön“ und „200 Jahre Emanzipation der Juden“ in einer Wanderausstellung zusammengeführt. Angesichts von aufkommendem Antisemitismus sei es ihnen wichtig, so Dr. Imhof, die lange und für die Region bedeutsame Geschichte der Juden in der Region Fulda zu vermitteln. Historische Ereignisse haben sich stets längerfristig entwickelt und angekündigt. Das gelte auch für aktuelle Geschehen. Deshalb sei die Auseinandersetzung mit Geschichte im Unterricht so bedeutsam. Man könne aus der Geschichte für das Heute lernen. In seiner Einführung gab Imhof einen Einblick in die jüdische Geschichte der Region Fulda und hier insbesondere in die des Landjudentums in der Rhön. Er spannt den Bogen von der reichsritterschaftlichen Zeit um 1600 bis zu seiner Vernichtung im Nationalsozialismus. Danach wurde die Wanderausstellung „400 Jahre Juden in der Rhön“, die bereits seit März in der Richard-Müller-Schule zu sehen ist, der Lernort. Anhand von Erkundungsfragen und angeleitet von den beiden Moderatoren Imhof und Schulz erschlossen sich die Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 12 in Kleingruppen eigenständig die wichtigsten Entwicklungsphasen jüdischer Geschichte in der Rhön. In den Informationstafeln erschlossen sie sich, wann und warum sich jüdische Familien vereinzelt auf den Territorien der reichsunmittelbaren Ritterschaften in Tann und um Gersfeld sowie in Wüstensachsen als Besitzung der Universität Würzburg niederlassen durften. Die Aufnahme der aus dem benachbarten Fürstbistum Würzburg und der Fürstabtei Fulda Vertriebenen war nicht uneigennützig, denn Schutzgeldzahlungen der jüdischen Familien und die Hoffnung auf Belebung der Handelstätigkeit in den abgelegenen Rhöner Region nach dem verheerenden 30jährigen Krieg waren die entscheidenden Beweggründe, ihre Ansiedlung zuzulassen. Über den jüdischen Alltag gaben die Tafeln zur Judenordnung und Judeneid Aufschluss, die das Leben der Juden regelten. Auch dass die Hoffnungen auf rechtliche Gleichstellung - Forderungen der Aufklärung und der Französischen Revolution - mit Napoleons Niederlagen wieder auf Eis gelegt wurden, waren wichtige Erkenntnisse für die nur zögerliche Emanzipation der Juden im 19. Jahrhundert. Wie sich die Zugehörigkeit zum Königreich Bayern auf das Leben der Rhöner Juden auswirkte, das erkundeten die Schüler an Einzelschicksalen oder am Schulwesen, am Viehhandel und dem verbreiteten Hausiergeschäft. Erst mit der bürgerlichen Gleichstellung in der Kaiserzeit kam es zur Emanzipation der Juden. In dieser Phase waren jüdische Geschäftsleute Motoren der Moderne auch in der Rhön. Die Geschichte der Juden in der Rhön wurde für die Schüler auf diese Weise lebendig und der Geschichtsunterricht so zu einem nachhaltigen Erlebnis. „Es war lehrreich für mich, einmal über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus etwas über die Geschichte des Judentums in unserer Region zu erfahren. Dass diese über 400 Jahre, ja sogar etwa tausend Jahre bestanden hatte, das war mir so nicht bewusst“, äußerte ein Schüler in seinem Feedback. Eine Schülerin: „Im Geschichtsunterricht ist nur Zeit für die großen Entwicklungen. Jetzt habe ich erstmals erfahren, was sich in meinem Ort, in meiner nächsten Umgebung abgespielt hat. Da wird mir manches klarer.“ „Geschichte entscheidet sich im Alltag“, so formulierte es dann auch Schulleiterin Oberstudiendirektorin Claudia Hümmler-Hille. Sie beklagte zunehmend wieder sichtbar werdende Judenfeindlichkeit in unserer Gesellschaft und appellierte an die persönliche Verantwortung des Einzelnen im Umgang mit Antisemitismus und Rassismus. Abschließend bedankte sie sich bei den Initiatoren Dr. Michael Imhof, Joachim Schulz und dem Abteilungsleiter des beruflichen Gymnasiums Hubert Krah für die Organisation des Workshops.

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13. September 2018

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